Vitamin-D-StatusBereich
nmol/I
Bereich
ng/ml
Defizienz<30<12,5
Insuffizienz30 - 5012,5 - 20
Normalbereich50 - 12520 - 50
Werte oberhalb des Normbereichs können Zeichen
einer Überversorgung sein.

Tabelle 1: Vitamin-D-Status basierend auf dem Plasmaspiegelwert von 25-OH-Vitamin D (Calcidiol) nach [2].
Achtung: Referenzwerte können von Labor zu Labor abweichen. 1 nmol/l = 0,4 ng/ml; 1 ng/ml = 2,5 nmol/l.


Dabei erfüllt Vitamin D im menschlichen Körper eine Reihe wichtiger Funktionen: Es leistet nicht nur einen essenziellen Beitrag zur Erhaltung der Knochengesundheit, sondern trägt auch zu einem funktionierenden Immunsystem bei. Außerdem gibt es Hinweise auf positive Effekte bei kardiovaskulären oder neurologischen Erkrankungen, bei Diabetes mellitus sowie bei Tumoren [3].


Bildung, Umwandlung und Aktivierung von Vitamin D im Körper

Vitamin D3 (Cholecalciferol) kann mit Hilfe von UVB-Strahlung in der Haut aus 7-Dehydrocholesterol gebildet werden. In der Nahrung kommt es vor allem in Fischen mit hohem Fettanteil, Innereien und Eiern vor. Sowohl Vitamin D3, als auch das gleich wirksame Vitamin D2 (Ergocalciferol), das z. B. in Pilzen vorkommt, sind fettlösliche Moleküle. Sie werden teilweise im Fettgewebe gespeichert und bei Bedarf an den Blutkreislauf abgegeben. Durch enzymatische Umwandlung zu 25-OH-Vitamin D (Calcidiol) in der Leber entsteht die hauptsächlich zirkulierende Form, die auch bei der Spiegelbestimmung herangezogen wird. Ihre biologische Aktivität ist gering, sie stellt vielmehr eine schnell verfügbare Speicherform dar. Die letztlich aktive Form entsteht hauptsächlich durch enzymatische Aktivierung zum 1,25-(OH)2-Vitamin D (Calcitriol) in der Niere. Die Enzymaktivität wird dabei durch die Spiegel von Parathormon und Calcium im Blut gesteuert. Der Abbau von Calcitriol zur inaktiven Calcitroinsäure erfolgt ebenfalls enzymatisch, die Ausscheidung verläuft biliär [2, 3]. 


Wieviel Vitamin D brauchen wir für eine optimale Versorgung?

Auf Grund der vielfältigen Funktionen von Vitamin D im menschlichen Körper ist eine ausreichende Versorgung von großer Bedeutung. Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Aufnahme von 800 IE (20 µg) für Erwachsene und Kinder ab dem ersten Lebensjahr [4].

Die Versorgung mit Vitamin D kann über Vitamin-D-haltige Lebensmittel und/oder die Sonne erfolgen. Zu den Lebensmitteln mit einem hohen Vitamin-D-Gehalt zählen fettreiche Fische wie Lachs oder Hering, Leber, Eier, aber auch Avocados und Champignons. Wesentlich wichtiger als die Zufuhr durch die Ernährung ist aber die Vitamin-D-Synthese in der Haut durch Sonnenlicht. Dies kann am besten durch Aufenthalt im Freien erreicht werden. Bereits 5–10 Minuten mit unbedeckten Armen zwei- bis dreimal pro Woche genügen für eine ausreichende Vitamin-D-Synthese in der Haut, Hauttyp und Sonnenempfindlichkeit sind dabei jedoch unbedingt zu berücksichtigen [2, 3].

 

Sowohl eine Unter-, als auch eine Überversorgung mit Vitamin D sind zu vermeiden.

Ein Vitamin-D-Mangel bleibt lange Zeit unerkannt und kann sich allenfalls an unspezifischen Symptomen wie z. B. Müdigkeit, Schlafstörungen, Knochen-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Muskelschwäche sowie einer erhöhten Infektanfälligkeit bemerkbar machen. Langfristig führt eine Unterversorgung mit Vitamin D bei Kindern zu Rachitis und bei Erwachsenen zu Osteomalazie [2]. Risikofaktoren für einen Vitamin-D-Mangel sind in Tabelle 2 angeführt.

Aber auch zu viel Vitamin D kann schaden: Bei einer Vitamin-D-Überdosierung sind die Calciumresorption aus dem Darm und das Knochenremodeling überaktiviert. Hypercalcämie, Hypercalciurie und Calciumablagerungen in Organen (z. B. in den Nieren), aber auch Herzrhythmusstörungen können resultieren [2].


Risikofaktoren für Vitamin D-Mangel
  • ungenügende endogene Produktion von Vitamin D durch mangelnde Sonnenlichtexposition (z. B. aufgrund von Heimbetreuung oder Immobilität, Schicht- und Nachtarbeit, verhüllender Kleidung) oder verstärkte UVB-Filterung aus dem Sonnenlicht (dunkle Hautpigmentierung, Sonnenschutz) oder in höherem Alter (weniger 7-Dehydrocholesterol zur Umwandlung in der Haut)
  • verringerte Aufnahme von Vitamin D aus dem Darm (z. B. bei gestörter Fettresorption)
  • erhöhte Akkumulation von Vitamin D im Fettgewebe (z. B. Adipositas)
  • verringerte Aktivierung zu Calcidiol (z. B. bei Leberfunktionsstörungen) oder zu Calcitriol (z.B. bei Nierenfunktionsstörungen)
  • erhöhte Abbaurate von Vitamin D (z. B. bei Behandlung mit Antikonvulsiva, Glucocorticoiden, HIV-Therapeutika oder Zytostatika)
  • generelle Risikogruppen:
    • Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit 
    • Säuglinge und Kleinkinder

Tabelle 2: Risikofaktoren für Vitamin-D-Mangel [2].


Spiegelbestimmungen im Labor – häufig durchgeführt aber wirklich nötig?

Eine routinemäßige Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels ist bei gesunden Personen ohne Risikofaktoren (siehe Tabelle 2) unnötig und wird aktuell nicht empfohlen. Nur bei Verdacht auf einen extremen Mangel oder in Einzelfällen, z. B. bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen des Verdauungstraktes, der Leber oder der Niere) ist eine solche Bestimmung sinnvoll [2].

Nichtsdestotrotz werden in Österreich jedes Jahr unzählige Laborbestimmungen auf Kosten der ÖGK durchgeführt. Diese sind in den meisten Fällen nicht nur unnötig, sondern verursachen auch massive Kosten. 2023 beispielsweise betrugen die Kosten der ÖGK für Vitamin-D-Bestimmungen mehr als 21 Mio. € (Quelle: DWH/FOKO).


Da das Thema Vitamin D seit einigen Jahren in den Medien omnipräsent ist, ist auch die Nachfrage von Patientinnen und Patienten nach einer Vitamin-D-Bestimmung gestiegen. Dem kann von ärztlicher Seite mit Information und Aufklärung über die Unnötigkeit einer solchen Bestimmung begegnet werden, auch wenn sich dies in der Praxis oft nicht einfach gestaltet.


Supplementierung von Vitamin D

Wenn die empfohlene Mindestmenge von 800 IE Vitamin D pro Tag durch die Ernährung und Sonnenlichtexposition nicht erreicht werden kann, wird eine Supplementierung mit Vitamin-D-Präparaten empfohlen [4]. Für die Supplementierung sind tägliche oder wöchentliche Gaben gleich effektiv.

Eine Supplementierung kann in der Regel – wie bereits erwähnt – ohne eine vorherige Spiegel-Bestimmung erfolgen, wenn ein Vitamin-D-Mangel vermutet wird. Dies gilt v. a. in den Herbst- und Wintermonaten, in denen die endogene Produktion aufgrund des Sonnenlichtmangels eingeschränkt ist [2].

Bedenken wegen einer D-Hypervitaminose und einer möglichen Toxizität von Vitamin D sind in den meisten Fällen unbegründet und kein Argument für routinemäßige Vitamin-D-Bestimmungen: Die Gefahr toxischer Spiegel besteht erst bei Einnahme von extrem hohen Dosen über einen sehr langen Zeitraum, mit üblichen Dosen von 800 oder 1.000 IE pro Tag sind Vergiftungen nicht möglich. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält sogar Aufnahmen von bis zu 4.000 IE pro Tag langfristig für sicher [5].

 

Vitamin-D-Präparate im Erstattungskodex

In den letzten Jahren wurden einige neue Vitamin-D-Präparate in den Erstattungskodex (EKO) aufgenommen. Es stehen mittlerweile eine Vielzahl an Darreichungsformen und Stärken zur Verfügung, somit kann zweck- und bedarfsorientiert therapiert werden: Für die Erhaltungsdosis eignen sich eher die Präparate in Tropfenform, für eine schnelle Spiegelanhebung sind höher dosierte Tabletten besser geeignet. Darüber hinaus sind auch Kombinationspräparate mit Vitamin D und Calcium verfügbar, die u. a. bei der Osteoporoseprophylaxe und -therapie zum Einsatz kommen. Teilweise finden sich diese auch als Kombinationspackungen zusammen mit Bisphosphonatpräparaten ohne wesentliche Zusatzkosten, wodurch auch Patientinnen und Patienten finanziell entlastet werden können. Eine Übersicht über verfügbare EKO-Präparate findet sich in den folgenden Tabellen:


Tabelle_3_Vitamin_D.png


Tabelle 3: Vitamin-D3-Monopräparate im Erstattungskodex. 1 IE = 0,025 µg Vitamin D3


Tabelle_4_Vitamin_D.png


Tabelle 4: Kombinationspräparate mit Calcium und Vitamin D3 im Erstattungskodex. 1 IE = 0,025 µg Vitamin D3, Abg. gem. mit = Abgabe gemeinsam mit (Kombinationspackung).


Fazit

  • Vitamin-D-Mangel ist in Österreich weit verbreitet.
  • Eine Supplementierung mit Vitamin D ist häufig sinnvoll, dafür stehen im EKO verschiedene Präparate zur Verfügung, wobei auch hier die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten werden sollte, z.B. indem vorhandene Kombinationspräparate verordnet werden.
  • Die Bestimmung von Vitamin-D-Spiegeln ist in den meisten Fällen nicht notwendig und sollte auf Einzelfälle beschränkt bleiben.
  • Eine Toxizität von Vitamin D ist erst bei extrem hohen Dosen (> 4.000 IE/Tag) über längere Zeit zu erwarten.

Literatur

[1] Lips P, Cashman KD, Lamberg-Allardt C et al. Current vitamin D status in European and Middle East countries and strategies to prevent vitamin D deficiency: a position statement of the European Calcified Tissue Society. Eur J Endocrinol 2019;180:P23-P54.

[2] Smollich M und Podlogar J. Vitamin-D-Status in Deutschland: Supplementierung. Pharmakon 2019;7:98–105.

[3] Steinhilber D. Vitamin D – das Prohormon unter den Vitaminen. Pharmakon 2019;7:106–10.

[4] Deutsche Gesellschaft für Ernährung. D-A-CH Referenzwerte – Vitamin D. Abrufbar unter: www.dge.de​/​wissenschaft/​referenzwerte/​vitamin-​d/​.

[5] Turck D, Bohn T, Castenmiller J et al. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin D, including the derivation of a conversion factor for calcidiol monohydrate. EFSA Journal 2023;21:2739.